Nomadin auf Zeit

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Durchquerung Labrador und Quebec 2. Teil

Es ist, was es ist, aber es wird, was du draus machst.

Wir fahren am Morgen des 12.09.2023 ab, mit der Gewissheit, dass wir ab jetzt nur noch die langen Tages- Etappen fahren. Ich habe mal einen Reisebericht gelesen und der Titel war:  

The loneliest road in the world 

Dieser Titel hat sich in meinem Kopf eingebrannt und ich wusste, die muss ich fahren. Dass ich sie zusammen mit Arthur fahren darf, hat sicher dazu geführt, dass ich entspannter unterwegs war. Es braucht einiges an Denkarbeit und ist immer wieder wichtig, aus der Comfort Zone rauszugehen, in dieser Gegend. Das ist Reisen und das ist speziell in solchen grossen weiten Landstrichen gefragt. Wir fahren endlose geteerte Strassen und niemand begegnet uns manchmal 100 Km weit. Einige Brücken über die Flüsse geben Abwechslung auf der Fahrt. So treffen wir um Mittag ein in Mary’s Harbour ein. In diesem Ort wurde Labradors erstes Hospital gebaut von der Grenfell Mission. Dieser Doctor Grenfell begleitet mit schon auf der ganzen Reise durch Newfoundland und Labrador. Tolle Geschichten mit historischem Inhalt. Ich bin immer wieder berührt, wo ich auf die Spuren von diesem Mann treffe. Wir entscheiden uns für ein kurzes Power Nap. Treffen auf einen Platz, wo ausdrücklich RV & Bus Parking Only war auf dem Schild. Finde ich das wohl auch mal in der Schweiz? Später fahren wir noch zur Fisch- Fabrik, um frischen Krebs zu kaufen.  

So fahren wir auf der kurzen Gravel Road wieder zurück auf die Hauptstrasse. Gravel road ist eine nicht geteerte Strasse, wie unsere Mergelstrassen, aber breiter. Vor mir fährt Arthur und ich gleich dahinter. Da kommt hinter mir ein Auto und macht Lichthupe und fährt gleich neben Florettina auf Augenhöhe. Ich lasse mein Fenster runter und 5 Frauen winken und rufen aus dem Fahrzeug. 5 Frauen aus dem Zürcher Oberland, sind unterwegs zusammen. Ist das ein Gaudi, fahrend wieder mal Schweizerdeutsch zu sprechen. Mit vielen Glückwünschen versehen fahren sie weiter und schliessen auf zu Arthur, aber da keine Deutschkenntnisse vorhanden sind, ist es ein kurzes Intermezzo. Ach wie ist die Welt doch klein. Dieses Schweizer Nummernschild hat mir doch schon sooooo viele Türen geöffnet.  

Es gäbe hier noch einige Abstecher zu fahren, aber wir entscheiden uns, anhand der Hurrikan Situation, nach Port Hopfe Simpson zu fahren. Diese Tagesfahrt war 185 km. Eine Einstimmung für die nächsten Tage. Wir finden einen Übernachtungsplatz, direkt am River. So komme ich dazu, meinen ersten Krebs zu kochen, sonst war immer Arthur der Koch. Wir sind kaum fertig mit Essen, fährt ein Quad auf das Gelände und wie beinahe jeden Abend, ist der Fahrer, unsere Unterhaltung für Heute. Es ist immer wieder spannend, wie die Einheimischen, täglich die Plätze der Touristen aufsuchen, das ist wie ins Kino gehen, denke ich.  

Nach einer Regennacht fahren wir los auf unsere nächste Etappe. Das Ziel ist Happy Valley Goose Bay und liegt 407 km entfernt. Musik spielt auf diesen langen Strecken eine wichtige Rolle. Ich höre am liebsten sehr laute Musik und singe noch dazu. Spannend ist auch das GPS. Es heisst einfach: fährt auf der 510, und zeigt mir einen geraden Strich ins irgendwo. So gegen Mittag kommt wieder blauer Himmel auf zwischen den Regenwolken. Einfach alles geradeaus und wir finden kaum Rastplätze. Die Strasse ist geteert und es hat eine Böschung zum übrigen Land, so dass nicht einfach nur ein Stopp gemacht werden kann.  

Florettina, meine Hübsche fährt mich einfach und sicher durch diese Gegend. Ich finde auch immer Diesel, manchmal ist es nicht einfach einen Stutzen für den PW zu finden, für die LKWs hat es überall. Ich tanke an jeder Tankstelle voll, so habe ich immer 800 – 900 Km auf Reserve und das reicht bestens für die ganze Überquerung. Die Sonne ist schon wieder am Himmel. Das GPS zeigt einen Weg direkt ins Meer, zum Glück hat es immer wieder Brücken da, so müssen Florettina und ich nicht schwimmen. Wir kommen Happy Valley Goose Bay nahe und sehen einen weissen Flieger, welcher immer wieder Runden dreht. Er kann im Moment nicht landen. Die Strasse 510 endet hier, gleich nach dem wundervollen Delta. Am Strassenrand lessen wir “Wellcome to Happy Valley Goose Bay – the Heart of Labrador”. Heute waren es 407 km Fahrt Wir verbringen die Nacht in einem alten Park und sind direkt am See. So kann mich niemand halten, ein Bad zu nehmen. Das Ufer ist lange flach und kaum zum schwimmen, aber grandios. Hier haben wir Besuch von Betty und John, welche jeden Abend hier nachschauen, welche Touristen gerade da sind. Wir werden offiziell begrüsst in der Stadt und bekommen Sticker und ältere Schriften mit der Geschichte der Gegend. Wir sind wieder mal einfach dankbar und begeistert von der Gastfreundschaft.  

Am nächsten Morgen geht es wieder bei Regen los und dicke schwarze Wolken begleiten uns eine Weile. Ab jetzt treffen wir immer wieder auf Baustellen an der Strasse und verbringen einige Zeit mit Warten an den Rotlichtern. Zum Teil hat es Regionen mit Bäumen, welche einfach nur noch graue Stickel aufweisen, das waren ehemals Feuer, welche hier gewütet haben. Es ist auch gut zu sehen, dass der Herbst richtig durchstartet mit den Farben und es aber auch Zeit ist, zu fahren, bevor der Schnee kommt. Ab jetzt begleiten und Hochleistungs – Strom – Masten bis zur Fähre in Baie Common. Viel Wasser ist auf beiden Strassenseiten und der Himmel lockert sich wieder auf bis wir in Churchill Falls, nach 457 km ankommen. Wir betanken unsere Fahrzeuge und als wir rauskommen, stehen drei Jungs rundum unsere Fahrzeuge. Fragen über Fragen und viel Gelächter und auch viel Erstaunen über eine Schweizer Frau und einen Amerikaner. Mit guten Tipps verlassen wir die Tankstelle und fahren zuerst zum grossen Stausee und danach an den River runter um die Nacht dort zu verbringen. Wieder sind wir hier willkommen und es kommen noch 2 VANs. Wieder rundet ein feines ausgewogenes Essen mit einem tollen Dessert, unseren Tag ab.  

Neuer Tag und wir kommen zu den echten Churchill Falls, sie sind sehr ruhig und es hat kaum Wasser. Aber auf dem Parkplatz zeigt uns ein Arbeiter auf einem Video, wie hoch das Wasser sein kann. Unglaublich aber wahr. So erfahren wir noch ein bisschen Geschichte der Strom Gesellschaften, welche hier vor Ort sind. Sand, Felsblöcke und Hochleistungsmasten begleiten uns wieder auf dieser Strecke bis Wabush. 323 km waren wir unterwegs. Dort finden wir den Free Camping am Jean Lake. Arthur geht noch eine Runde mit dem Kanu auf dem See und ich geniesse am Ufer zu schreiben und einfach an der Sonne zu sitzen. Hier sehen wir wenigstens Tiere, was wir vermisst haben bis jetzt. Der Loon ist im See und ein Adler kreist am Himmel.  

Unterdessen erreichen mich Bilder von Nova Scotia, der Hurrikan ist angekommen an der Küste. Sieht übel aus und es ist unglaublich diese Kraft der Natur. Nova Scotia hat dieses Jahr sehr viel dieser Naturkräfte erlebt und die Bevölkerung ist müde geworden.  

Wir sind gerade raus aus Churchill City, als das GPS sagt, du bist nun auf der Route 389. Das ist das letzte Stück Strasse bei der Durchquerung, welches noch Gravel Road hat. Es sind 2 Stück noch ungeteert – einmal für ca. 110 Km und einmal für 38 Km. Thank you for visiting Newfoundland and Labrador, hier muss ich aussteigen um gerade ein paar Tränen zurückhalten. Was durfte ich doch erleben in der Zeit, als ich diese beiden Provincen besuchte. So nun auf der Route 389 Süd und wir sind in der Province Quebec. Die Strassen sind sehr gut, auch die Gravel Road. Wir können zwischen 60 und 90 Km schnell fahren, also eine Gravel Autobahn. Riesige Dumper, die Eisenbahnlinie, Hochleistungsmasten, neue Hügel vom Minenaushub, das ist neben der Strasse. Baustelle um Baustelle treffen wir an, aber auch tolle neue Strassen, wirklich wie eine Autobahn. Der Himmel verdunkelt sich wieder und nach 130 Km sind wir müde und verbringen die Nacht bei Lac Gabriel bei einem alten Campingplatz. Ich dachte eigentlich, wir könnten noch ein Stück fahren.  

Am nächsten Morgen starten wir und ich bin froh, dass wir hier den Halt gemacht haben, denn nun kommt über 100 km nur Gravelroad und wieder mit vielen Baustellen und Stopps. Jetzt kommen auch die grossen Staumauern in Sicht und ich halte unter einer grossen Mauer an, um ein Foto zu machen. Leider können wir keine Besichtigung der Staumauer besuchen, da wir ausserhalb Hauptsaison hier sind. Nun kommen wir noch auf die Route 138 und nach 334 km, durch hübsche Landschaften, Ankunft in Baie Common, wo wir auf die nächste Fähre warten.  

Arthur kommt und teilt mir mit, dass hinter mir doch ein Schweizer sein müsse, er hätte ähnliche Schilder am Auto, wie ich. Ein NW Schild kommt mir in die Augen und wir haben mit Chris und Regi, zwei tolle Begleiter auf der Überfahrt. Ich darf viele gut Tipps entgegennehmen, denn die Beiden sind seit Jahren unterwegs in Amerika. Es ist das erste Mal, dass Arthur mich Schweizerdeutsch sprechen hört und auch sieht. Ist da vielleicht jemand gerade stolz auf seine Schweizer Freundin? 

Wenn du ein Licht für jemand anderen entzündest, dann leuchtet es auch auf deinem eigenen Weg.

Mit diesen Worten wünsche ich euch allen Frohe Weihnachten und mögen viele Lichter brennen auf eurem Weg.  

Ebenso einen guten Rutsch ins Neue Jahr und nur das Beste, das wünsche ich euch dann aus Salt Lake City, von der Skipiste. Dort bin ich dann Jan. und Febr. 2024.