Nomadin auf Zeit

Search
Close this search box.

Good bye America

Jede Begegnung birgt den Abschied in sich.

Mit 90 Min. Verspätung startet das Flugzeug in Salt Lake City. Zuerst musste das Flugzeug zur Enteisungsstation gefahren werden. Warten, bis die hohen Sprayfahrzeuge bereit sind und die Flüssigkeit über den Flieger sprayen, sodass der Schnee darauf eine orange Farbe enthält. Nach der obligaten Wartezeit teilt uns der Flugkapitän mit, dass wir vor uns 11 Flugzeuge haben und wir danach auch starten können.

An Bord bin ich mit über 250 anderen Fluggästen und schaue mit grossen Augen aus dem Fenster, um nichts zu verpassen, was ich noch nicht kenne. Ich bin seit 4.00 Uhr auf den Beinen und seit 7.00 Uhr im Flieger. Ein bisschen müde, denn ich bin mit einer Erkältung am Start und hoffe und tue alles, damit ich meine Ohren frei bekomme, für den Druckausgleich. Ich bin gerade dankbar, dass ich hier sitzen darf. Konnte Gestern Abend kein Check In machen per Handy. Eine Nummer, um Air Canada Fliegerpunkte zu sammeln, wurde einfach von United Airlines nicht angenommen. Heute Morgen am Flughafen, beim Einchecken gab mir der Beamte keinen Sitzplatz auf der Boardingkarte. So musste ich vor dem Boarding an den Schalter und die nette Dame erklärte mir, dass ich hier richtig bin und dass sie einen Platz für mich hätten. Aber „Hallo“ ich habe diesen Flug gebucht seit 3 Monaten!? Welches Glück, dass ich recht müde bin.

Ja warum bin ich so müde? Seit ich On the Road war, habe ich Energie verloren und konnte den Speicher nicht wieder auffüllen. Dazu kam die neue Liebe und alles war wieder neu. Ich schwebte auf der Rosa Wolke und so war es mir egal, wie mein Kräfte Haushalt aussah. Beim Skifahren in Salt Lake City, hat sich dies dann gerächt, ich konnte 2-3 Abfahrten machen und war fix und fertig. Ich bin gesund und munter, aber die Energie fehlt mir einfach. Ruhe ich wieder einen Tag, dann bin ich wieder Helena die Alte, die die ich gewohnt bin. Pumpe wieder Vitamine in meinen Körper und viel Flüssigkeit. Das hilft ein bisschen. Arthur fragt mich immer wieder, was ich tun möchte, und ich weiss im Moment nicht, wer ich bin und was ich möchte. Das macht unsere neue Partnerschaft nicht gerade einfach. Dazu wechseln wir 3-mal das Zuhause, das macht es mir nicht einfach. Kaum bin ich irgendwo eingelebt, packe ich schon wieder meine Koffer. Ja was will mich dies lehren? 

Der Flugkapitän teilt mit, dass wir mit ziemlicher Verspätung in Denver eintreffen. So ich habe eine Stunde und 50 Min. Aufenthalt, sollte doch irgendwie klappen, mit dem Anschlussflug. Geniesse die erste Hälfte vom Veggie Burger, welcher mir Arthur eingepackt hat. Döse den ganzen Flug, trotz Widrigkeiten in der Luft. Wunderbare Landung und schon beginnt es wieder zu schneien, auch hier. Der Schnee setzt an, in nur wenigen Minuten. Zügig gehe ich zum Abflug Gate und Super, das Boarding startet gerade. Auch hier gibt mir die nette Dame einen Sitzplatz und druckt die neue Boardingkarte aus. Mit Erstaunen stelle ich fest, dass hier United Airline, mir eine Boardingkarte ausstellen kann für den Flug von Toronto nach Halifax. In Salt Lake City wurde mir mitgeteilt, dass dies unmöglich ist. Dieselbe Fluggesellschaft. Aber das ist ja wirklich egal, bin müde genug und dankbar, dass es hier funktioniert hat. Wieder habe ich einen Fensterplatz und schaue dem Wetter und der Geschäftigkeit zu, von meinem erhöhten Sitzplatz. Und wieder das Prozedere, warten, zur Enteisungsstation fahren, enteisen, warten und in der Schlange zum Start anstehen.

Was lasse ich zurück in Amerika? Meinen Freund mit der Aussicht auf Distanz zu sein, bis Ende Mai. Neue Bekanntschaften aus der Stadt, von der Piste und neben der Piste. Ich nehme mit, viele gute Wünsche und dass ich wieder mal zu Besuch kommen soll. Ich habe bereits eine Einladung für 2034 für die Winterolympiade. Berverly ist dann 86 Jahre alt und ich 76 Jahre alt und sie findet, das dies richtig cool wird. Ich nehme viele Eindrücke mit von der Stadt, von der Umgebung und fühle, dass ich noch nicht genug gesehen habe. Die Wüste ist so nah, wer weiss!

Ein turbulenter Flug beim Start, während dem Flug und bei der Landung. Ich bin die Ruhe selbst. Geniesse noch die 2. Hälfte vom Veggie Burger, man weiss ja nie.  Ach ja, habe ich schon gesagt, dass ich meistens nur döse. Frage meine junge Sitznachbarin mal, ob ich schnarche, sie sagt mir, ist egal, sie schlafe meistens. Und unser Bodybuilding Man im Gang, war äussert freundlich und charmant zu uns beiden Frauen, wenn er wieder mal aufstehen musste. Er machte auch noch Arm – Training im Flugzeug, das war ja wirklich mal, spannend. Hier fehlt mir doch die Ausdauer, also döse ich lieber wieder weiter. 20 Min. vor der Landung wurden wir informiert, dass wir in ein Gewitter kommen, kurz vor Toronto. Bald schon knallte etwas ins Flugzeug auf der Höhe meines vor mir sitzenden Fluggastes. Ein oranger Feuerball flog direkt über den linken Flügel des Flugzeugs. Es wurde ganz still im Flugzeug, auch die Kinder waren ruhig und ich so richtig wach. Alles lief gut und wir hatten eine hübsche Landung in strömendem Regen.

Ja dieser Flug war wie mein Jahr hier in Canada, oder besser gesagt auch in Amerika. Ich hatte Zeiten voller Natur- Schönheiten. Erfuhr die Freundlichkeit von Menschen, welche ich am Wegrand traf. Bekam Liebe aus einer unerwarteten Ecke. Freundschaften entstanden weltweit, das habe ich sonst nur in den Büchern gelesen. Viele Meldungen aus der Schweiz, mit Liebe geschrieben und gesendet, in Momenten, wo ich wirklich Zuwendung brauchte. Wie der Pilot in dieser Gewittersituation, haben meine Geschwister und Verwandten, meine Kinder mit Familien, mein ehemaliger Mann und alle meine Freunde in der Schweiz, mein Jahr ausserhalb der Schweiz, durch alle Situationen navigiert und mir den Rücken freigehalten. Ich bin euch unendlich dankbar.

Und schon wieder renne ich durch den ganzen Flughafen von Toronto, durch den kanadischen Zoll – hier werde ich gleich durchgelassen, es geschehen noch Wunder. Beim Gate ist alles ruhig, nur ein Gast sitzt dort. Kurzes Gespräch und es sagt mir, dass er auf den nächsten Flug wartet. Ui, ui, die Fluggäste sitzen schon im Flieger, sagt mir der nette Herr am Boarding Pult. Sie hätten mich auf den nächsten Flieger gebucht, da der Regen verunmöglicht, dass das Gepäck mit meinem Flieger in Halifax ankommt. Ich flehe ihn an, dass er mich auch auf diesen Flug lässt, denn ich habe in Halifax ein Flughafen – Hotel gebucht und kann Morgen das Gepäck abholen. Er lächelt und macht mir eine neue Boardingkarte und ich werde zum Flugzeug begleitet und komme als Letzte ins Flugzeug. Danke lieber junger Mann, das war spitze. Von den drei Sitzen in der Reihe ist der Mittlere leer, das ist so bequem und schon wieder ist Warten angesagt. Diesmal wegen dem heftigen Regen. So höre ich, wie noch weiterhin Gepäck eingeladen wird in unseren Flieger. Da kommt doch die Idee auf, dass meine Koffer vielleicht doch noch mit mir in Halifax ankommen, wer weiss? Jetzt bin ich müde vom langen Tag und meine Erkältung macht es auch nicht besser, also döse so vor mich hin. Guter Flug und ganz sanfte Landung kurz vor 20.00 Uhr, das ist ja grossartig. Kurzer Weg durch den Flughafen und zur Gepäckausgabe. Kaum läuft das Förderband, sehe ich meinen ersten Koffer und schon folgt der zweite darauf. Ich kann mich wirklich auf meine Intuition verlassen, ist das ein gutes Gefühl.

I am home.

Warum schaffe ich es nicht, meinen Energiepegel mit meiner guten Intuition zu halten. Warum finde ich nicht den Stop Knopf, wenn es zu viel ist. Dies sind Fragen, welche ich mir in der nächsten Zeit stelle und mir Zeit nehme, welchen Weg ich in Zukunft, in dieser Hinsicht, gehe.

Die Auskunft sagt mir, dass mein Shuttle zum Hotel in 20 Minuten fährt, aber der freundliche Chauffeur ist bereits hier und fährt mich zum Hotel. Bin ich doch ein Glückskind. Im Hotelzimmer realisiere ich, dass mein grosser Koffer ziemlich durchnässt ist. Macht nichts, Hauptsache bei mir. Diese Hotelnacht geniesse ich ein riesiges Bett für mich alleine und freue mich bereits auf Karin und Nicole, welche mich Morgen abholen und zu Florettina zu bringen. Sie haben auch meinen VAN aus dem Schnee gebuddelt, den Motor laufen lassen und alles bereitgestellt. Freunde sind unbezahlbar auf der ganzen Welt. 

Freunde sind wie Sterne. Du kannst sie nicht immer sehen, aber du weisst, sie sind immer für dich da.