Im Grunde sind es immer die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben.
-- Wilhelm von Humboldt ( 1767 – 1835 ) preussischer Gelehrter --
Alles Richtung Cape Breton und in Cove Livingstone mache ich den ersten Stop. Hier hat es im 1800 eine grosse Käsefabrik gegeben. Ja ich sehe schon, die Schotten haben alles rübergebracht, was in ihrem Heimatland auch aktuell war. Immer schöneres Weideland und Kühe prägen das Bild meiner Weiterfahrt.
Beim Wegweiser Cape George und ich fahre auf den Parkplatz vom Wanderweg, da ich die Löcher in der Strasse, meiner Florettina ersparen möchte. Zu Fuss 500 Meter weiter und schon ist das Lighthouse direkt vor meiner Nase. Aussicht auf die Bay of George und vis à vis einen Landstreifen, von dem ich später noch rüber blicken werde. Auch hier ist der Wald recht ramponiert, Fiona hat doch sehr viele Bäume ausgerissen oder einfach geknickt. Der Schaden ist massiv. Das bisschen Gehen, hat gut getan, da ich doch viele Stunden auf Fahrt bin. Das Wetterglück ist mir hold, habe immer den Regen vor mir oder hinter mir.
Komme nun nach Antigosh – ein kleines Städtchen, hübsch und ein Kaffee mit einer Zimtschnecke und einer tollen Bedienung, lassen mich die Pause geniessen.
Fahre weiter bei leichtem Regen, auf der Autobahn und kurze Zeit später überquere ich den Damm von Northumberland nach Cap Breton. Das Informationscenter ist gleich an der Strasse, sehr gut markiert und sehr guter Standort. Decke mich mit den neuesten Informationen ein.
Ich bin doch schon 7 Stunden auf Fahrt. Das App Overlander hilft dann noch einen Platz für die Übernachtung zu finden, den Mac Kinnons Campground am Lake Ainslie. Ich kann mir den Platz wieder auslesen, denn bei den kleinen Campern ist alles frei. Direkt am See und der warme Wind bläst so fest, dass ich in der Florettina Schutz suche. Der richtige Moment um Wäsche zu waschen, denn die ist ja in einer Stunde trocken. Nach dem Abendessen kommt noch eine grosse Entenschar zu Besuch. Wir schnattern ein bisschen zusammen, bis ich richtig müde ins Bett falle.
Fahre Richtung Cabot Trail und halte bei Margaree Harbour, ein kleiner herziger Hafen. Dann alles der Küste entlang auf der Route 19 bis Chéticamp. Ab jetzt bin ich auf dem Cabot Trail in Richtung Norden unterwegs. In Chéticamp besichtige ich noch, bei einsetzendem Regen, die Saint Pierre Kirche. Hier habe ich ein Riesenglück, als ich abbiege, zum Parkplatz, fahre ich über ein Blech, welches ich nicht gesehen habe. Als ich anhalte und nachschaue, ist es ein riesiges Loch mit einem beweglichen Blech abgedeckt und das Blech ist verschoben. Mein Gott, wenn ich ein Rad in dieses Loch gesetzt hätte. Zünde gleich eine grosse Kerze an, in der tollen Kirche und bedanke mich für alles, was ich haben darf und dass ich gesund bin.
Durchquere die Brücke vom Chéticamp River und sehe gerade noch, dass ich nun eingetreten bin in den Cape Breton Highlands National Park of Canada!
Gleich rechts kommt der Campground und ich fahre zur Anmeldung und ich muss warten, weil noch einer vor mir dran ist. Als ich ein bisschen hinhöre, merke ich, das muss ein Schweizer sein, und als er noch den Wohnort buchstabiert – Rothenturm LU, ist alles klar. Lasse ihn mal in Ruhe, aber schon dreht er sich um und sieht mein AG Schild und denkt, das kann nicht sein! Lachend wendet er sich mir zu und ich muss mich zuerst anmelden und wir machen ab, dass wir uns später treffen auf meinem Site Nr. 75, denn dies sei ja sein Jahrgang. OK, klar.
Nun Florettina einrichten und schon kommt der Schweizer, sein Name ich Andreas. Wir entscheiden relativ schnell, zusammen zu kochen, denn er hat Steak und ich habe den Rest. So wird geschwatzt und gebruzzelt. Feines Nachtessen und coole Gemeinschaft. Wir entscheiden, Morgen zusammen zu fahren und den Skyline Trail zu machen. So startet unsere 3-tägige Reisegemeinschaft.
Wir fahren zum Skyline Trail und wandern den Weg zur Küste, bei Sonnenschein und sehr warmen Temperaturen. Wir sind nicht alleine auf diesem Weg. Geniesse diese tolle Landschaft und den Ozean und unsere Gemeinschaft. Dieser Wanderweg könnte auch in der Schweiz sein. Nur den Blick zurück auf den Cabot Trail Strassenabschnitt, ist unglaublich, traumhaft und einfach anders. Nach der Wanderung geniessen wir noch ein Sandwich mit den Resten vom Vorabend und fahren dann weiter. Andreas vorne weg und ich hintennach. In Cape North am Ice Cream geniessen, teile ich Andreas mit, dass ich noch nie einem Mann, soooooo viele Kilometer hinterher gefahren bin.
Kurz nach North Cape geht es links weg zum nächsten Campground. Es ist der Hideaway Campground, ein privater, toller, sauberer und freundlicher Ort. Wir haben Plätze gleich vis à vis.
Am nächsten Morgen erwache ich sehr früh, weil das Morgenrot in meine Florettina leuchtet. Sofort raus und dieses Rot geniessen beim schönen Aussichtpunkt auf dem Campground. Laufe noch ein bisschen in der Stille durch diesen wundervollen Platz, auf dieser Erde.
Wir entscheiden, noch eine Nacht hier zu bleiben und mit seinem Auto von Cape North Dorf zum Cape North zu fahren. Zuerst fahren wir zur Bay St. Lawrence – hier wohnen Menschen am Ende der Welt. Schon bald endet die Strasse, aber ein Haus steht dort, an dieser tollen Lage. Also alles wieder zurück und über Capstick zum Meat Cove Campground. Das ist ja mal ein Campground, über den Felsen und beinahe alle Plätze in Steillage. Nichts für Florettina. Gestern haben die Leute hier direkt vor dem Campingplatz Finwale beobachten können.
Auf einem Walk zum Cape North und geniessen wir den Weg durch den Wald. Und schon stehen wir auf einem Grasrücken mit toller Aussicht. Andreas geht noch bis ganz nach unten, ich schaue mir noch ein bisschen Fauna und Flora an und geniesse diese Ruhe. Über den St. Lawrence sehe ich das Haus wieder an der anderen Seite vom Fluss. Zurück nehmen wir noch Brennholz mit, damit das Campfire auch was zum brennen hat.
Als wir auf dem Campground ankommen sind Schweizer vor der Douchkabine. Wir schwatzen und sie sagt, dass sie gerade eine ehemalige Arbeitskollegin hier getroffen hat. Und deren Kinder hätten gesagt, da ist ein Fahrzeug mit AG- Nummernschildern und ihre Eltern haben gesagt, Nein, Nein, das kann nicht sein. So nun ist der Fall geklärt.
Nach der Fertig – Nudelsuppe fahren wir noch zum Ozean. Abendspaziergang zwischen See und Meer, das ist einfach grandios. Plötzlich kommt sehr warme Luft vom Meer her und dann wieder einige Grad weniger. Spannend wie die Natur tickt. Wir sammeln noch einiges an Plastik auf und entsorgen es richtig. Unglaublich, was da so liegt. Unser Brennholz brennt wunderbar und wieder geht ein wunderbarer Reisetag zu Ende.
Eine Umarmung ist ein ideales Geschenk: Die Grösse passt jedem und niemand hat etwas dagegen, wenn man es weitergibt.
-- Hugo Ball ( 1886 – 1927 ) Autor --