Man kann keine neuen Ozeane entdecken, hat man nicht den Mut, die Küste aus den Augen zu verlieren.
-- André Gide ( 1869-1951 ) französicher Schriftsteller
Pfingstmontag Morgen, früh raus und den Rest noch in die Florettina einräumen. Der Plan ist mit Fabia 4 Tage unterwegs zu sein. Abfahrt Richtung Kejimkujik Park ( Ketschj Park ). In Greenfield noch einkaufen bei der Tankstelle mit dem Tante Emma Laden. Das ist immer wieder ein besonderer Moment.
Am Kiosk ( die Kasse am Parkeingang ) kaufe ich ein Jahresabonnement für alle Parks in Canada. Meine ID wird genau studiert und alles in den Computer eingegeben. Der junge Herr nimmt seine Sache sehr ernst. Von meinem Vorstudium weiss ich, dass das Abo so um die 76.00 CAD kostet. Als ich das Abo in den Händen halte, sehe ich nur 61.00 CAD. Ja was ist nun los?
Senior Discount – Altersrabatt!! Habe mich noch nicht daran gewöhnt. In den nächsten Tagen spare ich nochmals 20 CAD und das nur wegen meinem Jahrgang. Das ist ja richtig toll. Platz 338 wird uns zugeteilt. Glücklich parkiere ich Florettina in ihrer ersten offiziellen Parkübernachtung. Wir sind direkt am Uferweg von Jeremys Bay am Kejimkujik Lake. Besser geht es nicht.
Zuerst eine Orientierung im Park und dann ein Marsch von ca. 2 Std. Richtung Jakeˋs Landing. Die Brücke ist gesperrt, da eine neue errichtet wird. Die alte wurde bei den letzten zwei grossen Stürmen zertrümmert und jetzt soll eine neue permanente Brücke entstehen. Am Meadow Beach informieren wir uns beim Platzwart, was es hier alles Hübsches hat. Wir haben ihn bereits gesehen, als wir eingeparkt haben und er erzählt uns, dass er einen Freund besucht hätte. Wir haben niemanden gesehen. Sein Freund ist verstorben und alle haben zusammengelegt und als Andenken eine Holzbank am Beach erstellen lassen und so gehe er täglich mit seinem Kaffee dorthin und schwatze ein bisschen mit seinem Freund. Wir haben dort, auf dem Rückweg, auch noch Rast gemacht.
Als wir so sitzen höre ich hinter uns Schweizerdeutsch. 2 Paare von Vella machen hier auch Ferien und wir tauschen noch ein paar Nettigkeiten aus. Einer der Herren meint, ich müsste ein Lehrerin gewesen sein, weil ich einfach so drauf los schwatze. Und sowieso sehe ich viel zu jung aus für eine Pensioniert, also müsste ich wiederum Lehrerin sein. Das haben wir dann mal so am Beach stehen lassen.
Am 2. Tag fahren wir Richtung Digby. Bereits am Morgen ist der grosse Waldbrand seit Sonntag ein Thema. 3 Jungs haben Pneu verbrannt und alles hat sich verselbständigt. Der Rauchgeschmack ist mit dem Wind, bis zum Park gekommen. Zugleich hat in der Nähe von Halifax noch ein Grill gebrannt und auch dort hat sich das Feuer seinen eigenen Weg gesucht und gefunden. Wir sind in der richtigen Aera unterwegs und fahren weg vom Waldbrand. Schöne Fahrt mit farbigen Häusern und einer Strasse ohne Verkehr nach Bear River. Dies ist ein Künstlerort und sieht malerisch aus. Zugleich hat die Ebbe gerade alles auf Stelzen gebaute Gebäude freigegeben.
Wir machen Pause in einem wunderbaren netten Café. Dort kaufe ich eine tolle blaue Thermotasse, denn in meiner Florettina, fehlt mir diese immer wieder. Jetzt noch volltanken, da wir auf eine Halbinsel fahren. Long Island wartet auf uns. Die schmale Halbinsel erreichen wir mit einer Gratis -Fähre und am Wegrand sehen wir noch einen farbigen Fasan ( Ring-necked Pheasant ). Tolles Wetter und keine Mücken hier, das ist perfekt. Auf dem Camping Ground Whale of a Time in Freeport finden wir den idealen Übernachtungsplatz. Kitschiger geht es nicht! Fahrt über einen kleinen Hügel und runter zum Strand. Wir können auswählen, weil wir im Moment alleine sind. WOW, stellt euch vor, direkt am Ozean, windgeschützt vor einem Felsen und einfach kein Mensch sonst hier. Solche Orte hätte ich mir im besten Traum nicht vorstellen können. Na ja, ist ja klar, ich habe kein Vorstellungsvermögen.
Die Nacht war dann weniger paradiesisch. Der nahende Vollmond und die Fischerboote mit dem grossen Fischtrailer, machen so richtig Lärm, bei mir im oberen Stock.
Kurzer Schlaf, aber gut ausgeruht starte ich in den Morgen. Ich liebe diese Morgen, draussen im Freien und den Wind um die Ohren. Auf dem gleichen Weg zurück geniessen wir die Fahrt bei sehr warmen Wetter. In Digby besuchen wir uns die Hafenstrasse und geniessen einen feines Zmittag und zum Dessert wieder mal Cheesecake. Wunderbar. Gut gestärkt nimmt Florettina und ihre Besatzung die Fahrt auf. The Valley ist ein wunderbares Stück Land, wo nur Farmer leben und es ist die Korn- und Apelkammer von Nova Scotia. Tausende von blühenden Fruchtbäumen sind auf beiden Seiten zu sehen und 3 Std. später stehen wir an der Kasse vom Blomidon Parkground. Beim Office kann ich beinahe meine Fahrertür nicht öffnen, weil der Wind so heftig bläst. Im Office wird uns mitgeteilt, dass ab sofort alle Trails ( Wanderwege ) gesperrt sind, wegen den vielen Wild Fires. Alles wir registriert, die Personen, das Auto und das Nummernschild etc. damit klar ist, wer sich gerade im Gebiet aufhält, wenn Evakuationsalarm wäre. Der Wind ist unglaublich stark, das heisst, Florettina braucht einen ebenen, windstillen Platz, damit ich im Dachzelt schlafen kann. Wir dürfen uns den Platz selber suchen, auch hier kaum belegte Plätze. Es ist eine wunderbare Reisezeit.
Kurze Fahrt durch den Park und mein Auge wird immer besser, der Platz ist gleich klar, die Nr. 20. Wasserflasche raus auf die Parkbank und schon reserviert. Erneut zurück zum Office und die Nummer melden und nun richtiges Parking. Ich bin nur wenig müde und bin erstaunt, dass die langen Fahrten immer weniger Energie brauchen. Wetterbericht, Waldbrandbericht und gesperrte Strassen studieren. Nach einem feinen Nachtessen wünsche ich mir ein eine gute Nacht mit viel Schlaf und höre noch ein spezielles Vogelgezwitscher.
Genau so war es. Perfekter Platz inmitten der Bäume und aussen herum hat der Wind richtig heftig geblasen. Erwache sehr früh und schon wieder diesen wunderbaren Vogelgesang. Raus und mal in die Natur hören. Ich finde den kleinen Sänger im Geäst, knapp über dem Boden. Mit der Bestimmung bin ich noch nicht fündig geworden. Dieser Gesang wird mir noch lange „nachlaufen“. Ein freches Eichhörnchen steigt noch ein in die Florettina, na das ist ja mal zuviel. Raus jetzt, aber es braucht noch ein bisschen Überzeugung. Laufe über die Parkstrasse und da kommt gleich noch ein Stachelschwein daher. ( Porcupine ) Es lässt sich von mir nicht stören und frisst gemütlich einen Grashalm. Die sind ja entzückend, wenn nicht gerade Nachbars Hund Rocco nach einem Meeting mit einem Porcupine mit rund 150 Stacheln in seinem Körper nach Hause kommt.
Nach dem Abwasch ist Zeit für den Besuch vom Blomidon Beach. Es ist gerade die Flut beendet und wir spazieren an einem wunderbaren Steinstrand mit roten Felsen über unseren Köpfen und sind wieder alleine hier. Perfekt. Ich geniesse diesen tollen Moment und staune einfach, wie schön unsere Welt ist. Die Fahrt zum Cape Split nehmen wir unter die Räder und hoffen, dass dieser Trail rundum das Cape noch nicht gesperrt ist. Die Fahrt dorthin ist einfach ein Traum, hier könnte ich leben für den Rest meines Lebens. Der Trail ist gesperrt, also Studium der Geschichte und ein Spaziergang am Strand. Die Ebbe hat gestartet und somit kommen einige Personen, um Amethyst und andere Steine zu sammeln, welche an den Strand gespühlt werden.
Wir fahren zurück, Richtung Mahone Bay über die Nr. 12 und geniessen die Fahrt bei schönem, warmen Wetter. In Mahone Bay ist die Hitze unglaublich und die Umstellung ist gerade heftig. Broteinkauf bei der French Bakery und zurück nach Waterloo. Danke Florettina für die gute Fahrt.
Florettina ausladen und alles sortieren, Fehlendes notieren und ab zum nächsten Steg, welcher in den See führt. Ich darf beim Grundstück von Fritz baden und geniesse mein 2. Bad, in vollen Zügen. Jetzt hat es bereits 17 Grad Wassertemperatur, das ist Genuss pur! Eine Pizza draussen in der Natur rundet noch diese Reise ab.
Meine Dankbarkeit ist gerade sehr gross. Bis jetzt wurden in den grossen Waldbränden, über 200 Häuser verbrannt oder massiv beschädigt, viele Menschen mussten ihre Häuser auf unbestimmte Zeit verlassen und ca. die Fläche der halben Schweiz, ist durch den Waldbrand beschädigt. Für mich unglaublich, aber leider wahr. Wir beten und hoffen alle hier, dass die kommenden Regentage mit kalten Temperaturen, die Brände, stoppen können.
Übrigens zu den Temperaturen an diesem Tag:
Abfahrt Cape Split; 14 Grad / Cannin unten im The Valley; 24 Grad / Mahone Bay; 33 Grad / Ankunft Häuschen auf Zeit; 28 Grad
Take care……
Man kann einen seligen, seligsten Tag haben, ohne etwas anderes dazu zu brauchen, als blauen Himmel und grüne Erde.
-- Jean Paul ( 1763-1825 ) Schriftsteller